Essen in Monaco

veröffentlicht am 01.03.2008

 

Der Ministaat an der Côte d’Azur ist Tummelplatz der Highsociety mit vielen feinen Adressen für Gourmets, darunter die des schillernden Kochs Olivier Streiff.

Olivier Streiff, Herr über die Küche im «Maya Bay», sieht aus wie kein Zweiter im Fürstentum Monaco: Beinahe alles an ihm ist schwarz. Das Hemd, die Schuhe, die Schürze, die Haare – vorne zu einem Brett frisiert, hinten zu einem Entenfüdli gekämmt. Und unter den rasierten Augenbrauen schauen schwarz umrandete blaue Augen auf die Gäste. Das Gruftie-Styling des Chefkochs stimmt bis ins kleinste Detail. Genau wie seine Menüs.

Obwohl, erst wollten wir gar nicht hinein, in die Beiz im Hochhaus neben Hochhäusern, die die Avenue Princesse Grace säumen. Da wir gelesen haben, dass hier häufig Prominenz zu Gast ist, nehmen wir trotzdem einen Augenschein. Und essen wie Gott in Monaco. Pouletbrüstchen mit Chocolat-Foie-gras und Nougat-Risotto. Jakobsmuscheln mit gerösteten Sonnenblumenkernen. Der Gruftie tischt beste Fusion-Küche auf, stilvoll angerichtet. In derMitte einer Schieferplatte drapiert er zum Beispiel drei Meerbarschstücke, darauf je eine Frühlingsrolle. Am rechten Plattenrand, wie Segel im Wind, sind hauchdünne Blättchen arrangiert, Dentelles au poivre de Muntock, fabriziert aus schwarzer Olivenpaste,Mehl und einem Ei, gewürzt mit Muntock-Pfeffer.

Schwelgend die Kurve kriegen

Wir lassen die Gerichte auf der Zunge zergehen und sinken, einen Digestif in der Hand, zufrieden und satt ins Sofa. Wie es Ringo Starr könnte, sässe er neben uns am Tisch. Der Ex-Beatle besitzt ein Appartement im Roccabella, dem Hochhaus, in dem das «Maya Bay» einquartiert ist, und er kehrt ab und zu bei Olivier Streiff ein. Wie Fürst Albert II. und der Formel-1-Fahrer Nico Rosberg, der Sohn von Ex-Formel-1-Weltmeister Keke. Doch jetzt herrscht inMonaco gerade Promiflaute – es ist kein Anlass in Sicht, der den Jetset an die Côte d’Azur reisen liesse. Also stellen wir uns vor, es wäre Mai, der letzte Sonntag im Monat, der Tag des Grand Prix. Hochsaison für die Berühmten, die Schönen und die Reichen. Sie sässen auf den Tribünen beim Port Hercule, dem grossen Jachthafen. Oder liessen es sich im «Rascasse» gut gehen, der Beiz in der legendären «Virage Rascasse», von wo aus es hinauf geht zur Boxengasse und zu Start und Ziel. Hier, in der engen Schleife, ganz nah dran an den Boliden, die brüllend ihre Runden drehen, würden sie Doradenfilet mit Gemüsebouquet an Moules-Safran-Sauce bestellen. Oder Jakobsmuscheln, umhüllt von gebratenem Speck, angerichtet auf Kräuterkartoffelstock. Und als Dessert bekämen Bono, Roger Moore, Jackie Stewart, Sean Connery, David Coulthard und Pink vielleicht Moelleux au chocolat aufgetischt, ein zartschmelzendes Soufflé aus schwarzer Schokolade.

Zum Siger-Dinner mit Doald Trump

Erst abends, wenn die Motoren schwiegen, zöge ein Teil der Stars und Sternchen weiter ins «Quai des Artistes», einen Steinwurf vom «Rascasse» entfernt. In der Brasserie, in der ein Kronleuchter mit den Ausmassen desjenigen im Zürcher Opernhaus prangt, orderten sie frische Austern. Oder einen Topf voll Moules marinières belgischer Art mit Pommes frites. Die anderen flanierten vom Hafen hinauf zum «Rampoldi». Hier sässe bereits «The Donald» am gedeckten Tisch: AmAbend des Grand Prix diniert der US-Wirtschaftsmagnat Donald Trump jeweils mit dem Sieger und dessen Team.

Wir aber bleiben noch ein bisschen auf der Terrasse des «Rascasse», bestellen einen Espresso, lassen die Sonne auf unsere bleichen Arme scheinen und mustern die einfamilienhausgrossen Jachten, die im Hafen dümpeln. Dann wandert der Blick weiter, zum Casino. Es thront schräg oberhalb des Port Hercule auf dem Plateau des Spélugues. Das Casino hat den Ruf, das berühmteste der Welt zu sein. Für den Auftritt im Belle-Epoque-Bau mit den Marmorböden, den Bronzeskulpturen und den reich verzierten Decken samt Kronleuchtern stürzen wir uns in Abendgarderobe. In den Salons européens stellen wir jedoch fest, dass die strenge Kleiderordnung nur von einer unverschämt Dekolletierten im langen Schwarzen, ihrem Begleiter im Nadelstreifenanzug und von einer Dame mittleren Alters mit aufgespritzten Lippen und Gucci-Klamotten eingehalten wird. Ob sie an der Bar oder im Casino Glück haben wird, obwohl auf der Theke der Bar die Glücksbambusstängel dahinwelken?

Spielend zwischen Reichtum und Ruin

In den Salons européens darf auch spielen, wer wenig Geld einsetzen will. Die Reichen durchqueren ihn eiligen Schrittes und verschwinden in den Salons privés. Alle diese Damen tragen Abendrobe, die Herren Anzug und Krawatte. Die Beträge, die hinter jenen Türen gesetzt werden, seien ziemlich extravagant.

Derweil erfrischt uns auf der Casino-Terrasse der Wind. Unten blinkt der Hafen. Rechts von uns erhebt sich der Rocher, der Felsen mit dem Fürstenpalast, den pastellfarbenen Häusern, schmalen Gassen und dem imposanten Musée océanographique. Dahinter liegt Fontvieille, das Viertel mit dem Oldtimer-, dem Schifffahrts- und dem Briefmarkenmuseum. Es ist das Viertel mit dem Stadion Louis II. und der «Beefbar», einem schicken Restaurant mit Aussicht auf den Port de Fontvieille. Spezialität des Hauses, in dem ab und an auch die Fürstenfamilie tafelt, ist das Angus-Rumpsteak, gewürzt mit einer wunderbaren Kräutermarinade. Das Rezept ist «Geschäftsgeheimnis», wie sich Geschäftsführer Hervé ausdrückt. Die Zutaten für den Salade sucrine lassen sich hingegen nicht verheimlichen: Zuckerhutherzen, Tomaten, eingelegt in Olivenöl, frische Steinpilze sowie drei, vier Stückchen Parmesan. Zu Hause nachkochen ist ganz einfach.

Grosse Stars mit grossen Herzen

300 Gramm Steak. Verdauen hilft erst ein Spaziergang, dann ein Schlummertrunk. Also flanieren wir den Port de Fontvieille entlang, vorbei am Fürstenfelsen, durch die Rue Grimaldi, hinauf zum Hôtel de Paris neben dem Casino. In der Bar Américain spielt ein Drei-Mann- Orchester auf. Die schweren Vorhänge sind zugezogen, das Licht ist schummrig. Am Tresen bestellt eine Übermütige eine weitere Flasche «Schampschampanie». Nachsichtig lächeln die Stars vergangener Zeiten aus den Fotorahmen von der Wand: Charlie Chaplin, Edith Piaf, Marlene Dietrich, Maria Callas, Orson Welles, Cary Grant, Romy Schneider, Marcello Mastroianni, Colette, Frank Sinatra. Sie alle waren glamoureux, elegants, chics. Am nächsten Morgen begegnen wir auf dem Parcours Princesse Grace jener Frau, die mit ihrer klassischen Eleganz den Ruf Monacos geprägt hat: Fürstin Gracia Patricia im schwarzweiss gemusterten Seidenkleid mit breitem Gürtel, dazu schwarze Pumps, amArmeine Kelly Bag, die Haare sind zusammengebunden, das Gesicht ist von einer grossen Sonnenbrille verdeckt. Mit einem distanzierten Lächeln präsentiert sich Grace Kelly den Passanten, und wir fragen uns, ob sie wohl gerne beim Edel-Gruftie Olivier Streiff im «Maya Bay» eingekehrt wäre.

Copyright-Hinweise

Text: Barbara Schmutz, Fotos: Roberto Ceccarelli

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Rezepte aus Monaco

Reise-Highlights

May Bay

Le Roccabella, 24, av. Princesse Grace, Monaco

Verbindung asiatischer mit mediterraner Küche. Tel. +377 97 70 74 67. Preise: eher teuer (Plat du jour ab € 20). Promis: Ringo Starr, Fürst Albert, Formel-1-Pilot Nico Rosberg.

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La Rascasse

1, Quai Antoine 1er, Monaco

Mediterrane Küche – viel Fisch und Meeresfrüchte. Tel. +377 93 25 56 90. Preise: moderat (Plat du jour ab € 12) Promis: Bono, Roger Moore, Sean Connery, Pink, Formel-1-Piloten.

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Rampoldi

3, av. des Spélugues, Monaco

Italienische und französische Spezialitäten. Tel. +377 93 30 70 65. Preise: eher teuer (A-la-carte-Menü € 60) Promis: Donald Trump, Roger Moore, Formel-1-Piloten.

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Beefbar

42, Quai Jean-Charles Rey, Monaco

Für Liebhaber von Angus-Steak. Tel. +377 97 77 09 29. Preise: eher teuer (Rumpsteak ab € 29) Promis: Ricky Martin, die Fürstenfamilie.

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Louis XV

Place du Casino, Monaco

Alain Ducasses Dreisternerestaurant im Hôtel de Paris. Tel. +377 98 06 88 64. Preise: teuer (Jakobsmuscheln € 90, halbe Portion € 60) Promis: Top shots aus Film, Sport, Wirtschaft und Kultur.

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Quai des Artistes

4, Quai Antonie 1er, Monaco

Brasserie im typischen Pariser Stil, direkt am Port Hercule. Mediterrane Küche. Tel. +377 97 97 97 77. Preise: moderat (Moules marinières € 16) Promis: Formel-1-Piloten.

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Sass Café

11, av. Princesse Grace, Monaco

Französisch-italienische Küche, Restaurant, Bar und Disco – momentaner In-Place in Monaco. Tel. +377 93 25 52 00. Preise: moderat (Pasta ab € 14) Promis: Michael Douglas, Ringo Starr, Formel-1-Piloten.

La Cigale di Mare

4, rue Baron de Ste-Suzanne, Monaco

Kleine Beiz mit feiner Fischküche, vor allem bei den Einheimischen sehr beliebt. Tel. +377 97 77 14 64. Preise: moderat (Plat du jour ab € 12)

Chocolaterie de Monaco

Place de la Visitation, Monaco

Pralinés, Schokoladenkronen, Nougat-Leckereien, Mandeltörtchen, ausgewählte Tees. Hoflieferant von Fürst Albert II.

Riviera

27, Blv. des Moulins, Monaco

Torten und Patisserie, Pralinés und «Luxemburgerli» monegassischer Art. An dieser Confiserie geht man nicht einfach so vorbei.

Comtesse du Barry

Centre Le Métropole, 17, av. des Spélugues, Monaco

Foie gras, Thé Marriage, Whisky, schwarze Schokolade, Zuckerwürfel in allen Farben. Hier kaufen auch Prinzessin Caroline, Charles Aznavour, Carla Bruni und Mohammed al-Fayed ein.

Hôtel de Paris

Place du Casino, Monaco

Tel. +377 98 06 30 00. DZ ab € 399. Belle-époque-Prunkstück direkt neben dem Casino. Früher stiegen hier Mitglieder der Zaren- und Königshäuser ab, heute die internationale Prominenz.

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Columbus

23, av. des Papalins, Monaco

Tel. +377 92 05 82 43. DZ ab € 225, Suite ab € 560. Eigentümer des Boutiquehotels ist der einstige Formel-1-Vizeweltmeister David Coulthard.

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Hotel Ambassador

10, av. Prince Pierre, Monaco

Tel. +377 97 97 96 96. DZ ab € 160, Juniorsuite ab € 240.

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