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Text: Jens Glüsing | Fotos: Javier Pierini | Rezeptadaption: Margaretha Junker
veröffentlicht am 30.12.2011
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Essen und trinken 1 I Mí Peru
http://www.facebook.com/miperu
Av. Lima 861 (Ecke Plaza Butters), Barranco
Barranco, roytaypemiperu@hotmail. Ein Familienrestaurant, einfach eingerichtet, aber erstklassige Speisen. Spezialität ist Concentrado de cangrejo. Preisklasse: günstig.
2 I Cevichería Sonia
http://www.restaurantsonia.com/
Calle Santa Rosa 173, Chorrillos
Ein von Künstlern und Politikern bevorzugtes Huarique. Zum Meer sind es wenige Schritte. Preisklasse: günstig.
3 I El Kapallaq
Av. El Reducto 1505, Miraflores
Miraflores. Neue peruanische Küche mit europäischem und asiatischem Einschlag. Die Küche ist offen, gekocht wird in schwarzen Keramiktöpfen. Zur Mittagszeit ist es immer voll. Tisch reservieren. Preisklasse: gehoben.
4 I Restaurant Fiesta
http://www.restaurantfiestagourmet.com/
Av. Reducto 1278, Miraflores
Eigentümer und Chefkoch Hector Solis ist ein Talent der neuen peruanischen Küche. Spezialitäten: Fisch und Reisgerichte. Preisklasse: gehoben.
5 I Restaurant Astrid y Gastón
Calle Cantuarias 175, Miraflores
Das Stammrestaurant des Restaurantimperiums von Gastón Acúrio. Eine Glaswand trennt die moderne Küche vom Restaurant. Wunderschöne Bar mit Variationen von Piscos. Unbedingt auch die Schokoladendesserts von Acúrias deutscher Frau Astrid Gutsche probieren. Preisklasse: gehoben.
Einkaufen 6 I Mercado Surquillo
Paseo de la República, Miraflores
Frische Lebensmittel aus allen Regionen des Landes. In einer Markthalle gibt es auf mehreren Stockwerken verschiedene Kartoffelsorten, Peperoni (Ají) in allen Farben und Formen, ausserdem massig Küchenutensilien. Hier kaufen viele Köche ein, darunter Gastón Acúrio.
7 I Mercado Central
Ayacucho/Ucayali, a sud della Plaza Mayor
MerCado Central Ecke Ayacucho/Ucayali, südlich der Plaza Mayor. Der Zentralmarkt ist ebenfalls überdacht und bietet eine grosse Auswahl. Nebenan liegt das Chinatown von Lima, dort bekommt man alle Zutaten für die asiatische Küche, die in Peru sehr beliebt ist. Sehr gute, frische Lebensmittel bietet die Supermarktkette Wong, von der es mehrere Filialen im ganzen Stadtgebiet gibt.
8 I la Bonbonniere
http://www.labonbonniereperu.com/
La calle Burgos 415
Mehrere Filialen, z. B. Calle Burgos 415, San Isidro, Für Süssigkeiten, Schokolade und die vorzüglichen peruanischen Kakaosorten sehr empfehlenswert.
In Perus Hauptstadt Lima treffen sich die Küchen der Welt sowie Zutaten aus Meer und Gebirge in der Pfanne.
Kein Meerschweinchen, bitte. Nicht aus
ästhetischen Gründen, versichert Raúl
Vargas. Auch nicht, weil es mühsam sei,
das Fleisch von den dünnen Knochen zu
nagen. «Meerschweinchen schmecken einfach
nicht», erklärt er.
Wenn der Doyen der peruanischen Gastronomie
diesen Klassiker der Andenküche verschmäht,
sollte man das respektieren. Vargas ist 69 Jahre
alt und Mitbegründer der Gourmetvereinigung
Apega. Einen Grossteil seines Lebens hat er sich
mit den Speisen seiner Heimat beschäftigt. Er hat
das Feinschmeckerressort der Zeitung «La República
» begründet und mehrere Bücher über die
peruanische Küche geschrieben. Jeden Samstagvormittag
gibt er eine Stunde lang im Radio Tipps
zu neuen Restaurants und macht seinen Zuhörern
mit Rezepten den Mund wässrig. Stundenlang
kann er über Essen reden.
Peru rühmt sich der raffiniertesten Küche der Neuen Welt, nur Mexiko versucht, ihm diesen Rang streitig zu machen. In beiden Ländern wurde das Kochen schon vor der Eroberung durch die Spanier als Kunst zelebriert. «Mexiko hat ausländische Einflüsse jedoch immer abgewehrt», sagt Vargas. «Peru dagegen hat sie aufgenommen und in die einheimische Küche integriert.» Japanische, chinesische, spanische und italienische Einwanderer haben ihre Spuren hinterlassen und die präkolumbische Küche der Inka, der Moche und anderer Kulturen mit neuen Elementen ergänzt. Die unterschiedlichen Klimazonen begünstigen die peruanische Kulinarik: Küste, Berge und Amazonasurwald bereichern den Speiseplan mit einer unüberschaubaren Vielzahl an Zutaten. Lima ist ein Schmelztiegel, Zuwanderer aus allen Teilen des Landes haben die Rezepte und Vorlieben ihrer Heimat in die 8MillionenMetropole mitgebracht. Das Meer prägt die Küche: Der kalte Humboldtstrom sorgt im Pazifik vor Peru für eine aussergewöhnliche Vielfalt an Fischen und Meeresfrüchten. Die Andenküche dagegen wurde bis vor wenigen Jahren als minderwertig verschmäht: Anticuchos, würzig grilliertes Fleisch aus Rinderherzen, waren verpönt, Meerschweinchen und Alpacasteaks galten als indianische Armenkost.
Nur die Kartoffel schaffte es überall auf die Teller: Mehr als 2000 Arten gedeihen in Peru, von Violett bis Orange reicht die Farbpalette. In Lima erforscht ein Institut Geschichte und Genetik der Knolle. Zweiter Grundpfeiler der Küche Perus ist Ají, die südamerikanische Paprikaschote. Sie ist kleiner und weniger scharf als ihre mexikanische Verwandte. «Kartoffeln und Ají sind aus der peruanischen Küche nicht wegzudenken», sagt Vargas.
Mit dem Wirtschaftsaufschwung der vergangenen Jahre ist in der peruanischen Mittelschicht die Bereitschaft gewachsen, Geld in Restaurants auszugeben. «In der Küche entdecken wir unser eigenes Land», sagt Vargas. In anderen lateinamerikanischen Ländern wollen die Buben Fussballer oder Popstar werden, in Peru träumen sie von einer Karriere als Koch. 10000 Kochschulen gibt es in Lima, fast täglich kommen neue hinzu. Die Hauptstadt weist mehr Feinschmeckerrestaurants auf als Buenos Aires oder São Paulo, über neue Rezepte wird so leidenschaftlich diskutiert wie über Fussball. Der Pelé unter Perus Köchen ist Gastón Acúrio.
1994 eröffnete er mit seiner deutschen Frau Astrid Gutsche sein erstes Restaurant in Lima. «Astrid y Gastón» wurde rasch zum Markenzeichen für die neue peruanische Küche. Heute leitet Acúrio ein weltweites kulinarisches Imperium, er betreibt 28 Restaurants in mehreren südamerikanischen Ländern, den USA und Europa. «Was Acúrio anfasst, wird zu Gold», sagt Gourmet Vargas. In einem Armenviertel unterhält er eine eigene Kochschule, in einem Kochlabor im Stadtteil Barranco probiert er neue Rezepte aus. In seinem Stammhaus in Miraflores muss man Wochen vorher reservieren. Er serviert unter anderem Alpacru, Roastbeef vomAlpaca, Erizos para el alma, Seeigel für die Seele, und Dutzende verschiedene Ceviches. Seine Frau zeichnet für die Nachspeisen verantwortlich – Schokoladentörtchen aus peruanischem Kakao, Truffes und süsses Gebäck.
Raúl Vargas weiss, wo der Siegeszug der peruanischen Küche vor über 30 Jahren begann: in einem Huarique, einem Nachbarschaftsrestaurant. Sein LieblingsHuarique heisst «Mí Peru» und liegt an der Plaza Butters im Stadtteil Barranco. «Don Raúl!», begrüsst Dona Pilar ihren prominenten Besucher. Sie führt in der Küche das Regiment. Von dort dringt ein wunderbarer Duft von Crevetten und Gewürzen ins Lokal, wo der Fernseher läuft. Es ist laut und eng. Roy und Kilo Taype leiten das Restaurant, die Söhne der Gründerin Aida de Taype. Sie hat «Mí Peru» 1972 mit ihrem Mann Raúl eröffnet, einem ehemaligen Taxifahrer. Spezialitäten sind Meeresfrüchte und Fisch. Roy Taype serviert als Vorspeise eine Tortilla mit Rogen vom Zackenbarsch. Den kaufen die Taypes in aller Frühe auf dem Fischmarkt von Villa El Salvador, einem riesigen Armenviertel der Stadt. Rogen gilt als Volksgericht, er ist billig und in vielen Huariques erhältlich. Übertroffen wird er nur noch vom Crevettentopf Concentrado de cangrejo, dem Stammgericht der Taypes. Die dampfenden Krustentiere trägt Roy mit Tomatensuppe in der Pfanne auf. Sie kommen aus dem Norden und sind kleiner und schmackhafter als die Crevetten von Lima.
Meeresfrüchte stehen auch im «Kapallaq» von
Eigentümer und Chefkoch Luis Cordero im Mittelpunkt.
Das kleine Lokal liegt in Miraflores, dem
traditionellen Wohnviertel der peruanischen Mittelschicht,
das eine neue Blüte erlebt. Es ist meistens
ausgebucht. Alles hier dreht sich ums Meer:
Nautische Instrumente schmücken die kleinen
Räume, die Dekoration ist maritim inspiriert. Jedes
Wochenende zieht es Cordero auf den Ozean.
Mit etwas Glück verspeist der Gast einen Fisch,
den der Koch selbst harpuniert hat. Raúl Vargas empfiehlt, Luis Corderos Ceviche zu
probieren. Auch Cebiche oder Seviche genannt.
Die Schreibarten sind so verschieden wie die
kulinarischen Varianten dieses peruanischen
Klassikers. Ceviche besteht aus rohem Fisch oder
Meeresfrüchten, die in Limettensaft mariniert
wurden. «Es gibt so viele verschiedene Ceviches
wie Küstenbewohner», scherzt Raúl Vargas – er
hat auch schon eines erfunden. Die Auswahl des
Fisches ist Geschmackssache. Nur Ají gehört in
jedes anständige Ceviche, ein Stück Camote – eine
Süsskartoffel – mildert die Schärfe ab.
Luis Corderos Ceviche nach Piura-Art wurde 2002
zum besten Ceviche Perus gekürt. Er bereitet es
mit Filet vom Adlerfisch (Corvina) zu, dazu reicht
er Canchita, in der Pfanne gerösteten Mais, und
Cannellini, kleine weisse Bohnen. Corderos Vorfahren
kamen aus Spanien, der baskische Einfluss
ist auf seiner Speisekarte unverkennbar. Europäische
Elemente kombiniert er mit der Kochtradition
der präkolumbischen Moche-Kultur, die in der
Nähe seiner Geburtsstadt Piura im Norden beheimatet
war. Cordero studierte Jura, die Kochkünste
eignete er sich bei seiner Grossmutter an. Nach
dem Ceviche serviert er Cau cau mit Tintenfisch;
ein Saucengericht, das auch mit Fleisch oder
Geflügel zubereitet werden kann. Ursprünglich
war es die Speise der schwarzen Sklaven. Cordero
verfeinert es mit Pfefferminze und Kurkuma.
«Er hat die peruanische Küche auf geniale Weise
vereinfacht», sagt Raúl Vargas. Und lobt seine andere
Spezialität: Mushame, in der Sonne getrockneten
und gesalzenen Thunfisch, den Luis Cordero
in einer kleinen Fabrik selbst produziert und mit
Olivenöl, Avocado sowie Tomate anrichtet. Zu Ehren
von Vargas bereitet er ein Locro de camarones
zu, überbackenen Flusskrebs aus Arequipa in der
Kürbiskalebasse. «Die Krebse leben in klaren Bergbächen
in der Übergangszone zwischen Hochanden
und Mittelgebirge», erläutert Vargas. «Sie
schmecken besser als die meisten Salzwasserkrabben.
»
Mit einem Pisco, dem peruanischen Nationalgetränk, lässt man das Essen ausklingen. Die Peruaner widmen dem Pisco seit 1999 einen offiziellen, eigenen Feiertag, den 6. Mai. Wegen des Brandyartigen Weinbrands wäre es jüngst fast zu einem diplomatischen Konflikt mit Chile gekommen: Auch die südlichen Nachbarn reklamieren den Schnaps, der aus Traubenmost gebrannt wird, als Nationalgetränk. Raúl Vargas hat Perus Ansprüche auf seine Weise bekräftigt: 2004 rief er in seiner Radiosendung den ersten Samstag im Februar zum Nationalen Tag des Pisco sour aus. So heisst der berühmte Cocktail aus Pisco und Limettensaft, ein Barmixer in Lima soll ihn 1920 erstmals angerührt haben. Der Feiertag wurde ins Gesetzbuch aufgenommen, jetzt huldigt die Nation zweimal im Jahr ihrem hochprozentigen Nationalschnaps – und Vargas wird in Chile als Staatsfeind betrachtet.
Text: Jens Glüsing | Fotos: Javier Pierini | Rezeptadaption: Margaretha Junker
Av. Lima 861 (Ecke Plaza Butters), Barranco
Barranco, roytaypemiperu@hotmail. Ein Familienrestaurant, einfach eingerichtet, aber erstklassige Speisen. Spezialität ist Concentrado de cangrejo. Preisklasse: günstig.
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Ein von Künstlern und Politikern bevorzugtes Huarique. Zum Meer sind es wenige Schritte. Preisklasse: günstig.
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Miraflores. Neue peruanische Küche mit europäischem und asiatischem Einschlag. Die Küche ist offen, gekocht wird in schwarzen Keramiktöpfen. Zur Mittagszeit ist es immer voll. Tisch reservieren. Preisklasse: gehoben.
Av. Reducto 1278, Miraflores
Eigentümer und Chefkoch Hector Solis ist ein Talent der neuen peruanischen Küche. Spezialitäten: Fisch und Reisgerichte. Preisklasse: gehoben.
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Das Stammrestaurant des Restaurantimperiums von Gastón Acúrio. Eine Glaswand trennt die moderne Küche vom Restaurant. Wunderschöne Bar mit Variationen von Piscos. Unbedingt auch die Schokoladendesserts von Acúrias deutscher Frau Astrid Gutsche probieren. Preisklasse: gehoben.
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Frische Lebensmittel aus allen Regionen des Landes. In einer Markthalle gibt es auf mehreren Stockwerken verschiedene Kartoffelsorten, Peperoni (Ají) in allen Farben und Formen, ausserdem massig Küchenutensilien. Hier kaufen viele Köche ein, darunter Gastón Acúrio.
Ayacucho/Ucayali, a sud della Plaza Mayor
MerCado Central Ecke Ayacucho/Ucayali, südlich der Plaza Mayor. Der Zentralmarkt ist ebenfalls überdacht und bietet eine grosse Auswahl. Nebenan liegt das Chinatown von Lima, dort bekommt man alle Zutaten für die asiatische Küche, die in Peru sehr beliebt ist. Sehr gute, frische Lebensmittel bietet die Supermarktkette Wong, von der es mehrere Filialen im ganzen Stadtgebiet gibt.
La calle Burgos 415
Mehrere Filialen, z. B. Calle Burgos 415, San Isidro, Für Süssigkeiten, Schokolade und die vorzüglichen peruanischen Kakaosorten sehr empfehlenswert.
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