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Text: Martin Suter | Fotos: Ball & albanese | Rezeptadaption: Lina Projer
veröffentlicht am 23.04.2012
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Essen und trinken 1 I Chanterelle Country Inn
http://www.chanterelleinn.com/
48678 Cabot Trail, Baddeck
Tel. 902 929 2263. Die einfachen Menüs der kleinen, täglich wechselnden Speisekarte überzeugen mit frischen Zutaten und perfekter Präsentation. Acht Gästezimmer, eine Suite und drei Cottages sind liebevoll mit Naturmaterialien eingerichtet. Preise: mittel.
2 I Red Shoe Pub
11573 Route 19, Mabou
Tel. 902 945 2996. Das Gesangstrio Rankin Sisters betreibt das führende Musiklokal auf Cape Breton und achtet auf hochstehendes Essen. Preise: günstig.
3 I Glenora Inn and Distillery
http://www.glenoradistillery.com/
13727 Route 19, Glenville
Tel. 902 258 2662. Nach der Führung durch die WhiskyBrennerei isst man in einem von Kanadas Top100-Restaurants. In mehreren Gerichten wird Fisch oder Rindfleisch in Whisky mariniert. Wer übernachten möchte, kann dies in einem von neun Gästezimmern oder sechs Chalets tun. Preise: hoch.
4 I Governors Pub and eatery
http://www.governorseatery.com/
233 Esplanade Street, Sydney
Tel. 902 562 7646. Fisch und Meeresfrüchte dominieren die Menüs des Traditionslokals im Hafen von Sydney. Im Erdgeschoss wird diniert, im zweiten Stock gibts Livemusik. Preise: mittel.
Wohnen 5 I Keltic Lodge Resort and Spa
Middle Head Peninsula, Ingonish, Beach
Tel. 902 285 2880. Das Hotel über den Klippen ist idealer Ausgangspunkt für Ausflüge in den Highlands National Park. Die Anlage verfügt über eine neue Schwimmhalle und einen eigenen Strand. Nebenan liegt Highland Links, Kanadas bester öffentlicher Golfplatz. Die Küche im Purple Thistle Dining Room ist erstklassig. Preise: hoch.
6 I Inverary Resort
http://www.capebretonresorts.com/
368 Shore Road, Baddeck
Tel. 902 295 3500. Neben 120 Zimmern in sieben Gebäuden umfasst das Resort Suiten und Cottages. Es liegt für Wassersportfreunde ideal am friedlichen Bras d’Or Lake, der weniger salzig ist als der Atlantik. Preise: mittel.
Cape Breton am nordöstlichen Ende von Nova Scotia in Kanada ist die Insel für Geniesser. Dem Auge bietet sie spektakuläre Natur, dem Gaumen das Beste aus dem Atlantik. Fischhändler Jim Gillis verrät seine Lieblingsadressen.
Der prächtige Heilbutt reicht ihm bis zum Hals. Jim Gillis hat ihn aus seinem Tiefkühlraum geholt und neben sich auf den Boden gestellt. Am nächsten Tag wird er den steif gefrorenen Plattfisch mit der Bandsäge in Stücke zerlegen und an seine Kunden auf ganz Cape Breton ausliefern, zusammen mit frischem Lachs, Schellfisch, Muscheln und anderen Meeresfrüchten. Gillis’ Seafood ist so etwas wie ein Nervenzentrum auf der Insel am äusseren Ende der kanadischen Provinz Nova Scotia. Im Hauptquartier des Grosshändlers in North Sydney kommt jeden Morgen der frische Fang zusammen. Was nicht gefroren und deshalb nicht lagerfähig ist, wird noch am gleichen Tag auf fünf Kühlwagen verladen und an Restaurants und Lebensmittelgeschäfte verteilt. Es sei eine Herausforderung, dies zu organisieren, sagt Jim Gillis. «Ich muss die Fangquoten kennen, auf die Wetterverhältnisse achten und habe es mit verderblichen Nahrungsmitteln zu tun.»
Eine der schönsten Inseln
Der leicht ergraute 52-Jährige arbeitet
seit einem Vierteljahrhundert in der
Firma, die sein Vater Donald 1946 gegründet
hat. Profis wie ihn braucht die
für Naturschönheit und keltische Kultur
bekannte Insel, wenn sie mit kulinarischen
Attraktionen noch mehr Gäste
anlocken will. Letztes Jahr erklärte das
amerikanische Reisemagazin «Travel +
Leisure» Cape Breton zur Insel Nummer
eins in Nordamerika und setzte sie
weltweit auf den dritten Rang hinter
Santorini (GR) und Bali (Indonesien).
Am Aufstieg seiner Wahlheimat arbeitet
Ardon Mofford kräftig mit. Der leutselige
Alleskönner führt in Cape Bretons
grösster Stadt Sydney das Governors
Pub and Eatery, die erste Station auf Jim
Gillis’ Kundentour. Letzten Sommer organisierte er das Festival Right Some
Good, das an zehn Tagen und zehn Orten
zehn einheimische Köche mit zehn internationalen
Küchenstars zusammenbrachte.
Aus der Schweiz kam Frank
Widmer vom«Park Hyatt» in Zürich. «Es
war ein phänomenaler Erfolg», sagt
Mofford. Es sei ihm gelungen, bis anhin
verkannte lokale Produkte auf die Speisekarte
zu setzen. So wurden Gerichte
mit dem kleinen Rotbarsch gekocht, den
man bisher bloss in Hummerfallen als
Köder verwendete. «Seit dem Festival
können die Fischer für Rotbarsch höhere
Preise verlangen.»
Vom bergbau zum Tourismus
Zum Lunch serviert Ardon Mofford eine
andere lokale Spezialität: wilde Kaltwasser-
Crevetten, gefangen im nahen
Nordatlantik. Sie schmecken intensiver
und süsslicher als ihre gezüchteten
Verwandten aus Südostasien. Der Koch
nennt sein Rezept «Shrimps Fritti»,
denn er taucht sie in einen leichten gesalzenen,
gepfefferten Teig und frittiert
sie wie Calamares. Längst kann sein
Restaurant nicht mehr von den Spesenrittern
der auf Cape Breton lange dominanten
Kohlen- und Stahlindustrie leben.
2001 wurde die letzte Grube geschlossen.
Seitdem suchen viele der 150000
Inselbewohner ihr Auskommen im Tourismus.
Mit Erfolg.
Wer Cape Breton besucht, darf den 298
Kilometer langen Cabot Trail nicht auslassen.
Benannt nach dem Entdecker
John Cabot (geboren um 1450 in Italien
als Giovanni Caboto), der 1497 in Kanada
an Land ging. Die spektakuläre Rundfahrt
um die nördlichen Highlands der
10000 Quadratkilometer grossen Insel
– die Schweiz misst 40000 Quadratkilometer
– beginnt an den sanften Gestaden
des Salzwassersees Bras d’Or bei
Baddeck. Dort liess einst Telefonerfinder
Alexander Graham Bell sein erstes
Tragflügelboot zu Wasser. Auf dem Weg
nach Norden stoppen Jim Gillis’ Trucks
regelmässig beim Chanterelle Country Inn von Earlene Busch. Die Amerikanerin
zog vor zehn Jahren aus Gründen der
Gesundheit nach Cape Breton und hat
eine Oase der Ruhe und des naturnahen
Genusses für Allergiker aufgebaut. Die
Ex-Internetunternehmerin steht jeden
Tag allein in der Küche. Sie kauft nur
biologische und regionale Produkte.
«Wenn die Qualität der Zutaten stimmt,
ist das Kochen ziemlich einfach», sagt
sie. Earlene Busch untertreibt, denn ihre
Liebe zum Detail schmeckt man Bissen
für Bissen. Ihr Lachs bleibt unter einer
perfekt angebratenen Kruste saftig,
ihrem Heidelbeerkuchen geben geriebener
Ingwer und Orangenschale eine
exotische Note. Selbst ein einfacher
Eierpudding verwandelt sich, bei Busch
mit Honig und Muskatnuss verfeinert,
zum komplexen Geschmackserlebnis.
Schlemmen und Golfen
Viel Fisch liefert Gillis nach Ingonish
beim Eingang zum Highlands-Nationalpark
ganz im Norden, wo sich auch einer
der sechs Golfplätze von Cape Breton
befindet. Der eine Abnehmer, das Resort
Keltic Lodge, thront in Postkartenlage
auf einer Halbinsel über steil abfallenden
Klippen. Chefkoch Alexander Herbert
wirkt auf höchstem Niveau. Der
Renner auf seiner Karte ist ein Heilbuttsteak
unter einer Estragon-Zitrus-Kruste,
ruhend auf Grünspargeln und einem
Pastinakenpüree mit Senf aus Meaux.
Das zarte Fleisch des edlen Fischs passt
ideal zu den Gemüsen. Einen erfrischenden
Kontrapunkt setzt eine blutrote
Coulis aus Randen, Heidelbeeren, Basilikum
und Zitrone.
Auf der gegenüberliegenden Seite der
Bucht blickt das Castle Rock Inn direkt
auf die «Keltic Lodge». Die Besitzerin
Kim Magistro, eine gebürtige New Yorkerin,
kann es kulinarisch mit dem grossen
Rivalen aufnehmen. Für ihr Avalon
Restaurant hat sie Fernsehkoch Lars
Willum als Berater verpflichtet. Das Resultat
ist unter anderem einer der besten Seafood Chowders der Insel. Die
Fischrahmsuppe enthält sechs verschiedene
Meeresfrüchte und ist dennoch
nicht allzu üppig. Gekrönt wird sie
vom Fleisch aus einer Hummerschere.
Von Ingonish aus führen die Kurven des
Cabot Trail auf bewaldeten Anhöhen die
Küste entlang. Atemberaubende Meeresblicke
zwingen zum Anhalten, und
ein dichtes Wegnetz lädt zum Spazieren
durch moosige Wälder. Weiter südlich
im Westen ist die gälische Volksmusik
aus der Heimat der ehemaligen Siedler
zu Hause. Wenn Jim Gillis darüber
spricht, leuchten seine Augen. «Nicht
einmal unter den Schotten ist der Anteil an Musikern so hoch wie hier», sagt er.
Jim spielt Geige, aber nur privat – anders
als sein Vater, der als Fiddler auf
ganz Cape Breton berühmt war.
Am liebsten besucht Jim das Red Shoe
Pub in Mabou, wo die besten Musiker
auftreten und Löffel den Rhythmus
vorgeben, bis der ganze Saal mitwippt.
Den Gästen ist doppelt wohl, weil viele
von ihnen die ausserordentlichen Fish
and Chips bestellt haben. Die grosszügigen
Schellfischstücke umhüllt hier ein
locker sitzender und dennoch knuspriger
Bierteig. So einfach, so perfekt – ein
Refrain, der je länger, je mehr für ganz
Cape Breton stimmt.
Text: Martin Suter | Fotos: Ball & albanese | Rezeptadaption: Lina Projer
48678 Cabot Trail, Baddeck
Tel. 902 929 2263. Die einfachen Menüs der kleinen, täglich wechselnden Speisekarte überzeugen mit frischen Zutaten und perfekter Präsentation. Acht Gästezimmer, eine Suite und drei Cottages sind liebevoll mit Naturmaterialien eingerichtet. Preise: mittel.
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Tel. 902 945 2996. Das Gesangstrio Rankin Sisters betreibt das führende Musiklokal auf Cape Breton und achtet auf hochstehendes Essen. Preise: günstig.
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Tel. 902 258 2662. Nach der Führung durch die WhiskyBrennerei isst man in einem von Kanadas Top100-Restaurants. In mehreren Gerichten wird Fisch oder Rindfleisch in Whisky mariniert. Wer übernachten möchte, kann dies in einem von neun Gästezimmern oder sechs Chalets tun. Preise: hoch.
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Tel. 902 562 7646. Fisch und Meeresfrüchte dominieren die Menüs des Traditionslokals im Hafen von Sydney. Im Erdgeschoss wird diniert, im zweiten Stock gibts Livemusik. Preise: mittel.
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Tel. 902 285 2880. Das Hotel über den Klippen ist idealer Ausgangspunkt für Ausflüge in den Highlands National Park. Die Anlage verfügt über eine neue Schwimmhalle und einen eigenen Strand. Nebenan liegt Highland Links, Kanadas bester öffentlicher Golfplatz. Die Küche im Purple Thistle Dining Room ist erstklassig. Preise: hoch.
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Tel. 902 295 3500. Neben 120 Zimmern in sieben Gebäuden umfasst das Resort Suiten und Cottages. Es liegt für Wassersportfreunde ideal am friedlichen Bras d’Or Lake, der weniger salzig ist als der Atlantik. Preise: mittel.
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