Copyright-Hinweise
Text: Christiane Binder | Foto: Jorma Müller | Rezeptadaption: Lina Projer
veröffentlicht am 22.05.2012
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1 I See-Hotel Off
Uferpromenade 51, Meersburg
Tel. +49 7532 44740. Die vorderen Zimmer des Viersternehauses mit einer siebzigjährigen Familientradition bieten – wie die sonnige Terrasse – einen herrlichen Blick über den See und auf die Schweizer Berge am anderen Ufer. Schwimmbad und Meersburger Innenstadt sind zu Fuss erreichbar. Die «Fischküche mit Auszeichnung» von Chef Michael Off ist in der Region bekannt. Preise: mittel.
2 I Fischerei Meichle
http://www.fischerei-hagnau.de/
Rosenweg 12, Hagnau
Tel. +49 7532 6369. Vater Fritz Meichle und sein Sohn Martin liefern frischen beziehungsweise geräucherten Fisch auch an Privatleute oder Touristen. Nebenbei betreiben sie eine eigene Brennerei (www.brennerei-hagnau. de). Mutter Gisela vermietet ausserdem Ferienwohnungen (www.ferienwohnungen- rosengartenhagnau. de).
3 I Hotel Buchhorner Hof
Friedrichstrasse 33, Friedrichshafen
Tel. +49 7541 2050. Luxus wie in alten Zeiten: An Friedrichshafens bester Lage – zwischen Bodensee, Uferpromenade und dem Bahnhof, der Altstadt und dem Yachthafen – bietet das 100-jährige Haus architektonische Grandezza, verbunden mit Komfort und herausragender Küche. Preise: mittel bis gehoben.
4 I Hotel Seehof Am Yachthafen
Immenstaad am Bodensee
Tel. +49 7545 9360. Toller Ort zum Essen und um in Luxus zu entspannen. Schon dem Grafen Zeppelin schmeckte es im «Seehof». Die Gaststube ist noch eingerichtet wie zu des Grafen Zeiten. Der grosszügige Nebenraum ist modern gestaltet. Preise: mittel.
5 I Steigenberger Inselhotel
http://www.steigenberger.com/Konstanz
Auf der Insel 1, Konstanz
Idyllisch auf einer kleinen Privatinsel gelegen, in den Gebäuden eines ehemaligen Dominikanerklosters, war das Fünfsternehotel schon im 19. Jahrhundert Herberge der Grössen aus Adel, Politik und Gesellschaft. Ferdinand Graf Zeppelin wurde 1838 auf der Insel geboren, seine Mutter war Amélie Macaire, deren Familie das historische Haus gehörte. Zwei Restaurants, Zeppelin-Bar sowie Seeterrasse. Preise: gehoben.
6 I Eiscafé am Hafen
http://www.eiscafe-am-hafen.de/
Am Hafenstr. 10, Konstanz
Tel. +49 7531 233 43. Jeweils ab 8 Uhr geöffnet. Vom deutschen Magazin «Stern» zur besten Eisdiele des Lands erkoren: Hit ist die Erdbeerglace mit 50 Prozent Fruchtanteil. Aber auch Rosen-, Blutorange- Buttermilch- und Brombeerglace, alle aus natürlichen Zutaten, ohne künstliche Aromen und chemische Zusätze, schmecken «yammmy». Preise: mittel.
Der Felchen ist die Spezialität der Region. Die Köche rund um den Bodensee entwickeln ungezählte Kreationen mit dem Edelfisch. Fischer Fritz Meichle versorgt die Gastronomen täglich mit fangfrischer Ware.
Der Felchen ist die Spezialität der Region. Die Köche rund um den Bodensee entwickeln ungezählte Kreationen mit dem Edelfisch. Fischer Fritz Meichle versorgt die Gastronomen täglich mit fangfrischer Ware.
Hafen Hagnau (D). 4.30 Uhr. Es ist stockfinster. Ein kühler Wind raut das Wasser auf. Im Licht des Bordscheinwerfers machen Fischer Fritz Meichle und sein Sohn Martin ihren Kutter zum Felchenfang klar. Ein paar routinierte Handgriffe, Leinen los!, schon knattert das robuste Boot in Richtung Konstanzer Hörnle am unteren Obersee zu ihren am Vorabend ausgelegten Fangnetzen.Während den beiden Männern die Gischt ins Gesicht sprüht, kann im fünf Kilometer entfernten Meersburg Michael Off noch ruhig eine Runde schlafen. Der Chef des See-Hotels Off, ausgezeichnet mit dem «Goldenen Fisch», wird seinen Gästen heute frische, mit Lauchmus gefüllte Felchenfilets an Randensauce servieren. Die Meichles liefern ihm jeden Monat etwa 100 Kilo, beste Ware, das weiss er.
Forelle und Hecht sind Beifang
Die Fischerei ist eines der ältesten Gewerbe
am Bodensee. Etwa 130 Berufsfischer
sind noch im Geschäft, lauter
Familienbetriebe; «schon mein Grossvater
war Fischer», erzählt Vater Meichle.
Sein Sohn und er «ernten», wie sie
sagen, fast nur Felchen, jährlich 500 bis
600 Tonnen. Barsch, Seesaibling, Seeforelle,
Hecht und Zander machen nur
einen kleinen Teil der Fänge aus. Tapfer pflügt das Boot derMeichles durch
die schwarzen Wellen des «schwäbischen
Meers», des drittgrössten Sees in
Mitteleuropa. «Bis zu 250 Meter tief»,
schreit Vater Meichle gegen den Lärm
des Motors an. Die ersten Menschen
bauten vor 6000 Jahren an den Ufern
ihre Hütten. Von 111 entdeckten Pfahldörfern
wurden einige rekonstruiert,
heute sind sie eine Touristenattraktion.
Die frühen Siedler wagten sich nicht
weit weg von der Küste, jagten die Tiere
mit Harpunen. Die Fischer heute haben
den See im Griff. Ständig kontrollieren
Meichles Radar und GPS, die riesige
Wasserfläche ist für sie ein sicherer
Arbeitsplatz – in jeder Hinsicht. «Die
meisten Menschen am Bodensee haben
was mit Tourismus zu tun, wir leben gut
davon», sagt Fritz Meichle.
30 Millionen Übernachtungen im Jahr,
dazu Millionen Tagesausflügler – die
Bodensee-Region ist ein beliebtes Erholungsgebiet.
Und alle Gäste träumen
von einem appetitlich servierten fangfrischen
Felchen, dem Bodenseefisch
schlechthin, mit festem, weissem Fleisch
und arm an Gräten. Er wird mit zahlreichen
Veranstaltungen rund um den
See gefeiert. Bei den Felchenwochen am
Untersee vom 10. September bis 9.Oktober,
kurz vor Beginn der Schonzeit, präsentiert
auch Michael Off vomSee-Hotel
Off in Meersburg seine Gerichte.
«Stopp!» Eine halbe Stunde später, um
fünf Uhr, sechs Kilometer vomHagnauer
Ufer entfernt, zwingt Fritz Meichle den
Kahn in ein enges Wendemanöver. Auf
dem Rückweg ziehen er und sein Sohn
die acht Treibnetze aus den Fluten.
Schwerarbeit, die Dinger sind 120 Meter
lang und reichen 22 Meter in die Tiefe.
Der Felchen, ein Lachsfisch, der von
Plankton lebt, mag die tiefen Wasserschichten,
«da hat er gleichmässige
Temperaturen und muss nur das Maul
aufmachen. Die Strömung schwemmt
ihm die Nahrung rein», schnauft Sohn
Martin Meichle, der mit einem Ruck das
erste Netz an Bord hievt. Silbern zappeln
drei Felchen im Scheinwerferlicht. «Vier,
fünf Jahre alt, 300 bis 400 Gramm
schwer, kerngesund», urteilt der Vater
mit einem Blick. «Das ist Wildfang, frischer
gehts nicht.»
Drei Stunden später, die Sonne brennt
den Morgendunst weg, sind Meichles in
ihrem schweren Ölzeug in Schweiss gebadet.
Sie haben alle Netze eingeholt.
Während sie die Felchenausbeute begutachten,
«etwa 70 Kilo, ordentlicher
Durchschnitt», zudem drei Saiblinge
und zwei Seeforellen, sichern sich in
Michael Offs Hotel die ersten Frühstücksgäste
einen Platz auf der Terrasse. Im
Kopf die dringliche Touristenfrage: Was
machen wir heute? Baden oder Schiffli
fahren? Eine Velotour ins grüne Hinterland?
Man könnte die Burg in Meersburg
besichtigen, die älteste noch bewohnte
in Deutschland. Oder Konstanz
in seiner historischen Pracht. Die Insel
Reichenau, Unesco-Weltkulturerbe, wäre
eine Option, genauso wie auf der
Schweizer Seeseite das Schloss Arenenberg,
wo der spätere Kaiser Napoleon
III. seine Kindheit verbrachte.
Die Stammgäste des 70 Jahre alten
Familienbetriebs verlangen jetzt schon
die Speisekarte fürs Mittag- oder Abendessen
als appetitanregende Lektüre.
Über 50 Prozent bestellten ein Fischgericht,
sagt Michael Off, «manchmal
verkaufe ich gar kein Fleisch». Aber wer
wollte bei ihm auch Schnitzel essen?
Bodenseefisch in allen Variationen ist
Offs Spezialität: Saibling an Schwarzkümmelsauce,
allerlei Fischsülzen und
-rouladen – und natürlich Felchen.
Die Köche stehen unter Druck
Pflichtprogramm ist der Klassiker nach
Müllerin-Art, mit Salz und Pfeffer gewürzt,
garniert mit Petersilie und Zitrone,
dazu Kartoffeln und Salat. Doch
Off serviert ihn auch mit Mandelkruste
oder als Carpaccio, mal nach Matjes-Art
zubereitet oder, wie heute, mit Lauchmus
gefüllt. Alles ist leicht und kalorienarm,
frei von chemischen Zusätzen,
mit Produkten vom Bauern aus der Umgebung.
«Bei uns musst du was Besonderes
bieten», sagt Michael Off. Die
Konkurrenz sei gross, «allein in Meersburg
gibt es 70 Gastronomiebetriebe»,
und die Spitzenlokale der Region haben
mehr «Gault Millau»-Punkte gesammelt
als im Elsass alle zusammen.
Für jene, die gerne gut essen, ist die Gegend um den Bodensee ein Schlaraffenland. In dem milden Klima, das sogar Feigenbäumen und Palmen zusagt, gedeiht fast alles. Das Gemüse von der Insel Reichenau ist von herausragender Qualität wie die Spargeln aus Tettnang, die berühmten Bodenseeäpfel oder Wildbret aus dem Hinterland. Die Oberfläche des Sees wirkt wie einWärmestabilisator, Fallwinde blasen die Frühnebel weg, und noch im Herbst hat die Mittagssonne freie Bahn. Perfekte Voraussetzungen auch für den Weinbau, im idyllischen Bodman an der Nordwestküste wuchs schon zu Zeiten Kaiser Karls III. (839–888) Spätburgunder.
Fisch gabs nur zur Fastenzeit
Früher wurde am Bodensee Fisch eher
verschmäht. Zwar exportierte man marinierte
Jungfelchen im 18. Jahrhundert
nach Frankreich, Italien oder Wien. Aber
bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war
Frischfisch auf den Speisekarten – auch
vornehmer heimischer Gasthäuser –
kaum zu finden. Er wurde nur gegessen,
wenn es die Kirche vorschrieb, während
der Fastenzeiten. Deshalb erlitt die Bodenseefischerei
einen schweren Rückschlag,
als Reformator Zwingli im
16. Jahrhundert die Fastengebote aufhob
und Protestanten am Freitag wieder
Braten schmausen durften. Das gemeine
Volk hielt sich an das rustikale Traditionsgericht
Bohnen und Knöpfle, eine
Art Spätzli. Die besseren Kreise labten
sich an Schnepfen, jungen Hasen, Rindsbratwürsten
und verschmähten auch
Otter, Biber, Frösche, Schnecken nicht.
Während der Kutter der Meichles mit
eingestelltem Ruder Richtung Heimathafen
tuckert, arbeiten Vater und Sohn
auf Hochtouren. Martin schneidet die
Fischleiber auf, Fritz holt mit einem
Handgriff die Innereien heraus. Zu Hause
müssen die Fische sofort filetiert
werden. Vater Fritz Meichle bedauert es,
dass heute kaum noch jemand an der
Gräte servierten Fisch goutiert, «obwohl
er so am besten schmeckt. Aber die Leute
mögen das nicht mehr.» Das betrifft
vor allem die Tagestouristen, die sich
auch in Meersburg durch die Puppenstübchen-
Innenstadt quetschen. Gasthaus
reiht sich an Weinstube, Café an
Pizzeria. Die Speisekarten bieten Jägerschnitzel,
Spaghetti bolognese, Pommes
frites, Chinesisches aus dem Wok.
Immerhin, an jeder Ecke wird auch Felchen
angeboten, aber «das ist nicht immer
Fisch aus dem See», betont Vater
Meichle. Sein Tipp: «Steht nur Felchen
und nicht Bodenseefelchen angeschrieben,
ist es Tiefkühlware aus Kasachstan
oder Kanada.»Würden die Millionen von
Gästen alle nach Frischfisch verlangen,
wäre der See leer gefischt. Dass es den
Bodenseefelchen noch gibt, ist dem
strengen Fischfang-Management der
Anrainerstaaten zu verdanken, die für
die Zeit von jeweils Mitte Oktober bis
10. Januar ein Fangverbot erlassen,
Mindestfanggrössen für Fische, Netzumfang
und Maschenweiten verordnen.
An Land muss es schnell gehen
Zurück in Hagnau machen sich Vater
und Sohn sofort ans Entschuppen, Filetieren
und Vakuumieren des Fangs.
Während der Vater noch schafft, ruft
Martin die Hotels und Restaurants an.
«Was braucht ihr heute?» Michael Off
bestellt neben Filets auch zwei ganze
Schuppentiere. Mit den Karkassen wird
er Fond kochen. Vater Meichle lädt die
Bestellungen in seinen Toyota, erste
Adresse ist Off. Die Fahrt dauert, trotz
starken Verkehrs, nur 10 Minuten.
12 Uhr. Mittagessenszeit im See-Hotel
Off. Der Chef zieht eine Roulade aus dem
Ofen, Felchenfilet, gefüllt mit Lauchmus.
Das Gemüse schmecke frisch, aber nicht
so intensiv, dass es das zarte Fischaroma
störe, sagt Michael Off. Das
Weiss des Fleisches und das Grün des
Lauchs ergeben zudem einen farblich
aparten Kontrast. Off ist begeistert:
«Dieser Felchen hat vor etwa sechs
Stunden noch gelebt. Frisch, frischer,
am frischesten. So was gibts nur bei uns
am Bodensee.»
Text: Christiane Binder | Foto: Jorma Müller | Rezeptadaption: Lina Projer
Uferpromenade 51, Meersburg
Tel. +49 7532 44740. Die vorderen Zimmer des Viersternehauses mit einer siebzigjährigen Familientradition bieten – wie die sonnige Terrasse – einen herrlichen Blick über den See und auf die Schweizer Berge am anderen Ufer. Schwimmbad und Meersburger Innenstadt sind zu Fuss erreichbar. Die «Fischküche mit Auszeichnung» von Chef Michael Off ist in der Region bekannt. Preise: mittel.
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Tel. +49 7532 6369. Vater Fritz Meichle und sein Sohn Martin liefern frischen beziehungsweise geräucherten Fisch auch an Privatleute oder Touristen. Nebenbei betreiben sie eine eigene Brennerei (www.brennerei-hagnau. de). Mutter Gisela vermietet ausserdem Ferienwohnungen (www.ferienwohnungen- rosengartenhagnau. de).
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Tel. +49 7541 2050. Luxus wie in alten Zeiten: An Friedrichshafens bester Lage – zwischen Bodensee, Uferpromenade und dem Bahnhof, der Altstadt und dem Yachthafen – bietet das 100-jährige Haus architektonische Grandezza, verbunden mit Komfort und herausragender Küche. Preise: mittel bis gehoben.
Immenstaad am Bodensee
Tel. +49 7545 9360. Toller Ort zum Essen und um in Luxus zu entspannen. Schon dem Grafen Zeppelin schmeckte es im «Seehof». Die Gaststube ist noch eingerichtet wie zu des Grafen Zeiten. Der grosszügige Nebenraum ist modern gestaltet. Preise: mittel.
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Idyllisch auf einer kleinen Privatinsel gelegen, in den Gebäuden eines ehemaligen Dominikanerklosters, war das Fünfsternehotel schon im 19. Jahrhundert Herberge der Grössen aus Adel, Politik und Gesellschaft. Ferdinand Graf Zeppelin wurde 1838 auf der Insel geboren, seine Mutter war Amélie Macaire, deren Familie das historische Haus gehörte. Zwei Restaurants, Zeppelin-Bar sowie Seeterrasse. Preise: gehoben.
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Tel. +49 7531 233 43. Jeweils ab 8 Uhr geöffnet. Vom deutschen Magazin «Stern» zur besten Eisdiele des Lands erkoren: Hit ist die Erdbeerglace mit 50 Prozent Fruchtanteil. Aber auch Rosen-, Blutorange- Buttermilch- und Brombeerglace, alle aus natürlichen Zutaten, ohne künstliche Aromen und chemische Zusätze, schmecken «yammmy». Preise: mittel.
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