Copyright-Hinweise
Text: Stefan Simons | Fotos: Corinne Kramer | Rezeptadaption: Lina projer
veröffentlicht am 27.03.2012
Bitte klicken Sie auf einen der Standorte, um Fotos und Detailinformationen anzuzeigen.
1 I Wohnen Hostellerie du Chapeau rouge
5, Rue Michelet
Tel. +33 3 80 50 88 88. Modernes Hotel mit Restaurant der gehobenen Klasse. Preise: gehoben.
2 I Luxuryflat
http://www.luxuryflatindijon.fr/
5, Rue du Palais
Tel. +33 9 53 11 82 88. Stadtpalais aus dem 18. Jahrhundert in der Altstadt. Preise: gehoben.
Essen und trinken I 3 le pré aux Clercs
http://www.jeanpierrebilloux.com/
13, Place de la Libération
Tel. +33 3 80 38 05 05. Sternerestaurant, in dem Dijons Bourgeoisie verkehrt. Preise: gehoben.
4 I La dame d’aquitaine
http://www.ladamedaquitaine.fr/
23, Place Bossuet
Tel. +33 3 80 30 45 65. Moderne Gastronomie unter gotischen Gewölben. Preise: gehoben.
5 I Dz’envies
12, rue Odebert
Tel. +33 3 80 50 09 26. Trendiges Bistro. Witzige Küche. Direkt am Markt. Preise: mittel.
6 I Carré rouge
http://www.restaurantcarrerouge.fr/
2, av. Raymond Poincaré
Tel. +33 3 80 73 68 41. Originelle Traditionsküche im Büro- und Ausstellungsviertel. Preise: günstig.
7 I Bistrot des Halles
http://www.jeanpierrebilloux.com/
10, rue Bannelier
Tel. +33 3 80 49 94 15. Traditionskarte. Deftige Küche. Schöne Terrasse. Preise: günstig.
8 I L’epicerie et Compagnie
http://www.lepicerie-dijon.fr/
5, Place Emile Zola
Tel. +33 3 80 30 70 69. Gewölbekeller im Retro-Look und Tische auf dem Platz. Ordentliche Portionen. Preise: günstig.
9 I Chez Bruno
80, rue Jean-Jacques Rousseau
Tel. +33 3 80 66 12 33. Weinbar mit grosser Auswahl. Handfeste Snacks, rauer Tonfall. Preise: günstig.
10 I Les pieds Bleus
13, Place Emile Zola
Tel. +33 3 80 50 06 66. Vegetarische Kantine mit umfassendem, frischem Bio-Buffet. Preise: günstig.
Einkaufen 11 I Mulot & Petitjean
13, Place Bossuet
Tel. +33 3 80 30 07 10. Eine erstaunliche Sammlung süsser und salziger Spezialitäten rund um den Honigkuchen.
12 I Epicerie fine gautier
77, rue Jean-Jacques Rousseau
Tel. +33 3 80 67 17 19. Gourmet-Institution mit regionalen und selbst gemachten Leckereien.
13 I Boutique maille
32, rue de la Liberté
Tel. +33 3 80 30 41 02. Riesenauswahl an Senfsorten aus dem ehemaligen Traditionsunternehmen.
Im Burgunderstädtchen Dijon dreht sich seit Jahrhunderten alles um die würzige Paste. Sternekoch Jean-Pierre Billoux verrät, in welchen Lokalen die edle Würze meisterlich verwendet wird.
Die Geschichte Dijons, seine
Wirtschaft, sein Reichtum
ist von diesen schwarzen
Samen nicht zu trennen»:
Maître Jean-Pierre Billoux
zeigt auf die kaum millimetergrossen
Pünktchen in einem Glas mit
gelbem Brei – und seine Bemerkung
enthält mehr als nur ein Körnchen
Wahrheit. Denn bei den Früchten aus
den Schoten des Kohlgewächses Brassica
nigra handelt es sich um den Rohstoff
für ein Produkt, das die Metropole im
Herzen des Burgunds weltweit zum Begriff
gemacht hat. «Dijon und Senf gehören
zusammen.»
Spitzenkoch Jean-Pierre Billoux, der vor
über 25 Jahren nach Dijon kam, weiss,
wovon er redet. Der 65-Jährige hat eine
Karriere hinter sich, die ihn vom reingeschmeckten
Fremden zum prominenten
Gastronom und Freund des Bürgermeisters
machte. «Die Dijonais waren anfangs
verschlossen wie ein Senfkorn»,
erinnert sich Billoux, der heute zusammen
mit Sohn Alexis auch die Brasserie
B9 und das daneben liegende Sternelokal
Le Pré aux Clercs besitzt. «Doch
die Schärfe hat sich gelegt.»
Der joviale Mann, breite Statur, blitzende
Augen, steht gegenüber dem «Bistrot
des Halles», wo er einst kochte und das
ihm ebenfalls gehört. An jenem Ort befindet
sich seit Urzeiten der kommerzielle
Schnittpunkt zwischen Stadt und
Land – rund um die Kirche der Jakobiner
verkauften schon im Mittelalter Bauern
und Händler Rind, Geflügel, Getreide
und Milch. Nach der Französischen Revolution
wurde der Sakralbau für den
Handel requiriert, bevor, weitere 50
Jahre später, die Hallen entstanden, aus
Glas und Eisensäulen.
Umschlagplatz fü̈r die regionalen Produkte
ist der von Arkaden gesäumte
Platz geblieben. Gegen Mittag drängen
sich zwischen Gemüseständen, Fischund
Fleischhändlern Hausfrauen, Rentner
und Touristen. An einem Stand stapeln
sich Schachteln mit Epoisses, einem
Kuhmilchkäse, der mit Schnaps eingerieben
zur Reife gebracht wird, daneben
präsentiert La Vie Gourmande lokale
Spezialitäten: Neben Cassislikör und
Honigkuchen türmen sich Gläser, Töpfe
und Tiegel mit diversen Senfsorten. «Er
ist ein Klassiker unter den Aromen»,
sagt Billoux. «Bevor es bei uns Pfeffer
und Chili gab, war Senf nebst Meerrettich
das einzige scharfe Gewü̈rz.»
Der Senf zieht seine Spur durch die
Historie der ehemaligen Residenz der
Burgunder-Herzöge: Im 14. und 15. Jahrhundert
wurde er bei Banketten in verschwenderischen
Mengen geordert und
verkostet; unter dem Ancien Régime
verfrachtete man Senf fässerweise nach
Paris, was – zusammen mit Wein – für
den Wohlstand einer wachsenden Bourgeoisie
sorgte. Von der obersten Plattform
auf dem Turm Phillippe le Bon sind
deren architektonischen Hinterlassenschaften
sichtbar, sagt Gastronom Jean-Pierre Billoux.
Beim Spaziergang zwischen Notre-Dame
und dem Quartier der Antiquitätenläden hinter dem Rathaus führt er zu den
Schätzen Dijons. Er zeigt auf die glücksbringende
Eule an der Mauer von Notre-Dame; in der rue d’Assas drückt er das
Tor zum Verwaltungsgericht auf, hinter
der sich die Bogengänge des ehemaligen
Klosters Maria Heimsuchung verbergen.
Unweit vom Halbrund der Place
de la Libération, wo seine Gattin in
Restaurant und Hotel das Kommando
hat, winkt er ins Musée Magnin – dessen
Innenhof ist mindestens so eindrucksvoll
wie die Kollektion alter Möbel und
Meister.
Diese Palais und imposanten Bürgerhäuser,
oft hinter diskreten Mauern
verborgen, prägen noch heute das Stadtbild
wie die Fachwerkbauten längs der
gepflasterten Altstadtgassen zwischen
Bibliothek und dem Heimatkundemuseum:
Die schiefen Giebel, die bunten Ziegeldächer
der Kirchen und Klöster, die
schmalen Passagen erinnern an die Zeit
der Gegenreformation, als der religiöse
Bauboom Dijon den Namen bescherte:
Stadt der hundert Glockentürme. Damals machte auch jene neue Rezeptur
eines Dijoner Bürgers von sich reden,
der die Stadt ihren Ruf als internationale
Senf-Kapitale
verdankt. Weil die
gequetschten Körner erst durch Gärung
ihre pikante Schärfe erhalten, wurde
ihnen bis dato Essig zugesetzt; Jean
Naigeon nutzte stattdessen 1752 erstmals
Verjus – mit diesem Saft unreifer
grüner Trauben erhielt der Senf aus
Dijon seinen für Feinschmecker unverwechselbaren
Geschmack.
Was Wunder, dass er seither an der Stätte
seiner Entstehung auf jeder traditionellen
Speisekarte zu finden ist – gleich
ob mit Lamm, Steak oder im Honigkuchen.
Senf gehört zum Hasenrücken
im Gewölbekeller der renommierten
«Dame d’Aquitaine». Im «Carré Rouge»
verfeinert er nicht nur die Kalbskoteletts,
sondern auch das hauchdünne
Parmesangebäck; und Senf serviert Bruno
in seiner gleichnamigen Weinbar zur
Trockenwurst aus Eigenproduktion.
Im «Bistrot des Halles» stehen an diesem
Tag Zander mit Eierschwämmli
und Senfsauce auf dem Menü. «Mindestens
ein Senfgericht haben wir täglich
auf der Karte», sagt Chefkoch Patrice
Gillard, der das Fischfilet kurz anbrät,
dressiert und mit einem trockenen
Weisswein an den Tisch bringt. «Ein
Traditionsrezept, weil nicht nur der
Zander aus der Region stammt, sondern
neuerdings auch wieder der Senf», freut
sich JeanPierre
Billoux.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war der
Anbau der Körner eingeschränkt worden,
zugunsten subventionierter und
lukrativer Produktion von Weizen, Sonnenblumen
oder Raps. Jahrzehnte später
folgte der Niedergang der örtlichen
Manufakturen. Sie wurden von Grosskonzernen
aufgekauft, die Herstellung
ins Ausland verlegt – der Senf verlor
seine Heimat, nur der zugkräftige Name
zierte noch Gläser und Töpfe. «Das
Umdenken kam Ende der 90er-Jahre
»,
so Luc Vandermaesen vom Traditionsunternehmen
Reine de Dijon. «Wir wollten
nicht von Importen abhängig sein,
sondern uns auf einen Anbau vor Ort
stützen, der Qualität wie Ursprung verbürgt.
» Der Generaldirektor der Firma,
die vor den Toren der Stadt Senf in
Dutzenden von Geschmacksrichtungen,
Bio-Senf
inklusive, herstellt: «Bisher
schützt der Begriff DijonSenf
nicht den
Ort, sondern das Produktionsverfahren.»
Nur die europäische Bezeichnung «Hergestellt
im Burgund» garantiert seit
2009 die kontrollierte Herkunft.
Jérôme Cadet (38) gehört zu den Pionieren dieser Strategie. Der Bauer hockt auf seinem kalkhaltigen Acker und greift in einen Sack mit Saatgut: «Vor rund zwanzig Jahren begann eine Handvoll junger Leute wieder mit der Feldbestellung von Senf, aus Liebe zur Region.»Cadet, Verbandspräsident der Senfkörner-Landwirte, lobt die Entwicklung: «1995 waren wir drei Dutzend, die auf 250 Hektaren den Neuanfang wagten; heute beteiligen sich fast 300 Bauern am Anbau, die Fläche hat rund 5000 Hektaren erreicht.»
Die Rückkehr zur Tradition hat sich auf die Kultur zwischen Profiküchen und privatem Konsum ausgewirkt: Jean- Pierre Billoux, der vornehmlich heimische Produkte nutzt, beobachtet den Wertewandel auch bei Dijons Bäckern, Bauern oder Metzgern, die sich auf ihr handwerkliches Erbe besinnen oder zur Bio-Produktion übergegangen sind. Zu besichtigen und verkosten etwa in der Epicerie fine Gautier, wo Madame und Monsieur über ein ganzes Reich von Gaumenfreuden regieren; zu probieren in der Chocolaterie Chez Carbillet, wo das Ehepaar Guy und Colette 40 Pralinésorten, Törtchen und eigene Glaces präsentiert; zu bestaunen im altertümlichen Dekor von Mulot & Petitjean, der Traditionsfirma, die seit 1796 Honigkuchen bäckt. «Es ist kein Geheimnis», meint Jean-Pierre Billoux zum Erfolg von Dijons Gourmetangebot, «dazu gehören Passion und Perfektion und vor allem erstklassige Produkte.» Mit dieser Einstellung hat sich Dijon eine Reputation als Feinschmecker- Destination erhalten. Die Senf-Metropole verbindet spontane Gastfreundschaft mit menschelnder Nähe. Wenn Dijons Verwaltung gleichermassen stolz ist auf Theater, Kunstmuseen, Forschungsinstitute und Universitäten, so schätzen sowohl Franzosen wie Fremde die Stadt vor allem für ihre entschleunigte Atmosphäre.
«Zwischen den Mauern herrscht eine Mischung aus urbaner Moderne und ländlicher Intimität», sagt Jean-Pierre Billoux und trifft damit die Stimmung im Herzen eines Grossraums von immerhin 250000 Einwohnern. «Dijon ist gross genug, dass man keine provinzielle Enge verspürt», sagt der Koch schmunzelnd bei einem Espresso, bevor er an seine Gerätschaften im Sternerestaurant zurückkehrt. «Und es ist klein genug, dass man am eigenen Stammplatz auf der Terrasse des Cafés jeden Freund trifft – auch ohne Verabredung.» In der charmanten Eloge auf die eigene Stadt steckt – mindestens – ein Senfkörnchen Wahrheit.
Text: Stefan Simons | Fotos: Corinne Kramer | Rezeptadaption: Lina projer
5, Rue Michelet
Tel. +33 3 80 50 88 88. Modernes Hotel mit Restaurant der gehobenen Klasse. Preise: gehoben.
Seite besuchen »5, Rue du Palais
Tel. +33 9 53 11 82 88. Stadtpalais aus dem 18. Jahrhundert in der Altstadt. Preise: gehoben.
Seite besuchen »13, Place de la Libération
Tel. +33 3 80 38 05 05. Sternerestaurant, in dem Dijons Bourgeoisie verkehrt. Preise: gehoben.
Seite besuchen »23, Place Bossuet
Tel. +33 3 80 30 45 65. Moderne Gastronomie unter gotischen Gewölben. Preise: gehoben.
Seite besuchen »12, rue Odebert
Tel. +33 3 80 50 09 26. Trendiges Bistro. Witzige Küche. Direkt am Markt. Preise: mittel.
Seite besuchen »2, av. Raymond Poincaré
Tel. +33 3 80 73 68 41. Originelle Traditionsküche im Büro- und Ausstellungsviertel. Preise: günstig.
Seite besuchen »10, rue Bannelier
Tel. +33 3 80 49 94 15. Traditionskarte. Deftige Küche. Schöne Terrasse. Preise: günstig.
Seite besuchen »5, Place Emile Zola
Tel. +33 3 80 30 70 69. Gewölbekeller im Retro-Look und Tische auf dem Platz. Ordentliche Portionen. Preise: günstig.
Seite besuchen »80, rue Jean-Jacques Rousseau
Tel. +33 3 80 66 12 33. Weinbar mit grosser Auswahl. Handfeste Snacks, rauer Tonfall. Preise: günstig.
13, Place Emile Zola
Tel. +33 3 80 50 06 66. Vegetarische Kantine mit umfassendem, frischem Bio-Buffet. Preise: günstig.
13, Place Bossuet
Tel. +33 3 80 30 07 10. Eine erstaunliche Sammlung süsser und salziger Spezialitäten rund um den Honigkuchen.
Seite besuchen »77, rue Jean-Jacques Rousseau
Tel. +33 3 80 67 17 19. Gourmet-Institution mit regionalen und selbst gemachten Leckereien.
32, rue de la Liberté
Tel. +33 3 80 30 41 02. Riesenauswahl an Senfsorten aus dem ehemaligen Traditionsunternehmen.
Seite besuchen »